Karl-Heinz Nelskamp bei seinem Vortrag im Festsaal des St.-Josef-Hauses
Karl-Heinz Nelskamp bei seinem Vortrag im Festsaal des St.-Josef-Hauses

Bildungsreise zum Konzentrationslager Auschwitz

Am 18. November hielt Karl-Heinz Nelskamp im voll besetzten Festsaal des St. - Josef Hauses vor über 70 Zuhörern einen informativen und zugleich tief bewegenden Bericht über seine Bildungsreise nach Auschwitz. Diese hatte er im Sommer unter der Leitung von Daniel Lörcher vom Verein „what matters“ unternommen. Daniel Lörcher ist im Rahmen seines langjährigen Engagements im Kampf gegen Antisemitismus mehrfach ausgezeichnet worden. 

Karl-Heinz Nelskamp, langjähriges Vorstandsmitglied im Heimatverein Dingden, ist mit großem Engagement auch für den Geschichtsort Humberghaus aktiv und hat so einen besonderen, persönlichen Bezug zur Thematik. Ist doch das Schicksal mehrerer Mitglieder der Familie Humberg mit Auschwitz verknüpft. So war ihm bereits vor Antritt der Reise klar: „Es kommt etwas Besonderes auf mich zu.“ Die Humbergs sollten sich in Gedanken als stete Wegbegleiter auf dieser Reise erweisen.

Neben Besichtigungen von Auschwitz I (Stammlager), Auschwitz II (Birkenau) und Auschwitz III (Monowitz) halfen Workshops den TeilnehmerInnen, die Erlebnisse zu vertiefen und zu verarbeiten.

Herr Nelskamp gewann jedoch nicht nur neues Wissen hinzu, das er mit seinen Zuhörern teilte. Die Verbindung zur Familie Humberg machte für ihn die Eindrücke der Reise emotional sehr intensiv. Etwa als die alte Rampe in Auschwitz besichtigt und ihm bewusst wurde: „Hier ist Wilhelm Humberg mit seiner Familie angekommen; hier wurde er als arbeitsfähig, seine Frau Rosette und die Kinder Margot, Vera und Jakob zum unmittelbaren Tod in den Gaskammern selektiert. Es gab keine Chance, sich zu verabschieden, keine Gelegenheit für eine letzte Umarmung. Und jetzt stehe ich hier.“

Die Krematorien vier und fünf wurden dann im bittersten Sinn des Wortes letzte Station auf dieser Reise. Das Niederlegen einer weißen Rose auf einen Gedenkstein für die Humbergs, ein langer Weg allein und schweigend zum Ausgang – auch für die Zuhörer bewegende Momente des Berichts.

Karl-Heinz Nelskamp zeigte die unfassbaren Verbrechen der Nazis in den Vernichtungslagern auf – nicht nur an Juden. Sein Bericht – eindrucksvoll durch Fotos und Bilder aus dem Skizzenblock von  Auschwitz illustriert – machte auch deutlich, dass gegen das Vergessen Fakten allein nicht genügen. Dafür ist eine emotionale Verbindung von immenser Bedeutung. Dieser schweren Aufgabe hat sich Karl-Heinz Nelskamp gestellt: „Ich habe mindestens einen Menschen erreicht – mich selbst. Das war nicht eine Reise, sondern meine Reise nach Oswiecim / Auschwitz.“

Er hat unter seinen Zuhörern mehr Menschen erreicht.

 

Karl-Heinz Nelskamp wird seinen Vortrag am Samstag 10. Januar 2026 um 16:00 Uhr im Festsaal vom St.-Josef-Haus wiederholen.