In einem Personenschatzregister des Kirchspiels Dingden von 1690 wird Jakob Nienhaus mit seiner Frau und einem zwölfjährigem Kind erwähnt. Er gilt als Erbauer des Hauses.

1820 zieht mit dem Kleinhändler Simon Cohen aus Caßlau in Böhmen der erste Jude in ein Haus in der Dorfmitte Dingdens, - damals Nr. 13, heute Hohe Straße 1 - zu. Neben Kleinhandel mit "Ellenwaren" oder "Gerberlohe" ist er auch als Metzger tätig. Daneben betrieb er eine Schankwirtschaft, die er bereits 1831 wieder schloss. 1822 wird der Amtmann in Dingden durch den Landrat in Borken angewiesen, Simon Cohen auszuweisen, "weil er ganz gegen alle Bestimmung das Bürgerrecht genommen und ... als Ausländer nicht  geduldet werden" kann. Offensichtlich kann er aber weiter in Dingden wohnen. Als das Haus am 11. August 1837 größtenteils niederbrennt, zieht er mit seiner Familie ins benachbarte Bocholt.

Ab 1840 wohnt David Plaat aus Raesfeld im inzwischen wieder aufgebautem Haus. Sein ebenfalls in Dingden wohnender Bruder Joseph wird, da vor dessen Haus Dorf Nr. 13 eine Wasserpumpe steht, „Jude Pumpenpohl“ genannt. Ebenfalls in Dingden wohnt Leeser Plaat. Nach dem "Lösch-Reglement für die Gemeinde Dingden"  von 1848 gehören die drei Brüder als Pumper bzw. Ersatzpumper der Feuerwehr Dingden an. In diesem Jahr befinden sich – wie einem Verzeichnis vom 27. Mai 1848 zu entnehmen ist – drei jüdische Familien mit insgesamt 11  Personen in Dingden.

Als David Plaat um 1850 nach Wesel verzieht, übernimmt sein jüngerer Bruder Philipp aus Raesfeld das Haus. Auch er war "Fleischer, kleiner Händler mit Ellenwaren und Vieh". Aus seiner ersten Ehe mit Mina Oppenheimer geht Sohn Bernhard hervor, der an einer geistigen Behinderung litt. Die zweite Ehe mit Aleida Landau bleibt kinderlos. Nach dem Tod ihres Mannes nimmt Aleida am 6. Februar 1879 ihre Nichte Rosalie Landau aus Ramsdorf zu sich. Sie wird das Haus später erben.

Rosalie Landau heiratet am 17. Januar 1882 den aus Klein-Reken stammenden Metzger, Vieh- und Textilhändler Abraham Humberg. 1886 leben in Dingden der damals 43-jährige Händler und Metzger Abraham Humberg und der 72-jährige Joseph Plaat mit ihren Familien. 1895 wohnte nur noch die Familie Abraham Humberg in Dingden. Im Verzeichnis wird er als Metzger, Vieh- und Manufakturenwarenhändler verzeichnet. Er setzt damit das Gewerbe fort, das der Onkel seiner Frau, Philipp Plaat, in diesem Haus begonnen hatte. Der vordere Teil des Hauses war weitgehend Verkaufshaus. Rechts vom Flur war ein Raum, in dem der Zeit entsprechend auch geschlachtet wurde. Links befand sich der  Textilladen, im hinteren Hausteil war die Wohnung.

Der Ehe von Abraham und Rosalie Humberg entstammen neun Kinder, von denen zwei nach neun bzw. dreizehn Monaten sterben. Die vier Söhne dienen im Ersten Weltkrieg. Dabei wird Leopold Humberg verwundet und ausgezeichnet. Kurt Nussbaum, der Sohn des Bocholter jüdischen Seelsorgers Leo Nußbaum, erinnert sich an Besuche seines Vaters in Dingden: "Vater fuhr mindestens einmal im Monat zur einzigen jüdischen Familie in Dingden, den Humbergs. Manchmal, zu Pessach, nahm er Matzen mit. Es ging ihm wohl darum, diese Familie seelsorglich zu betreuen." Eine ehemalige Nachbarin weiß sich zu erinnern: "Die Humbergs waren eine ganz liebe Familie, immer großzügig und sozial eingestellt. Beeindruckt hat uns damals, dass wir z. B. zur  Erstkommunion, obwohl sie  Juden waren, immer gute und reichliche Geschenke bekamen. Dies hat uns Kinder sehr gefreut. Was die Nachbarschaft anging, so machten sie alles genau mit. Wenn z. B. Hochzeiten waren, wurden sie mit eingeladen. Sie gehörten einfach dazu."


Goldhochzeit von Rosalie und Abraham Humberg 1932

Am 22. August 1932 stirbt Abraham Humberg im Alter von 80 Jahren. Er wird unter großer Anteilnahme der Dingdener Bevölkerung – zur Teilnahme ruft auch der Kriegerverein auf – auf dem Friedhof der Synagogengemeinde Bocholt beigesetzt. Kurt Nussbaum erinnert sich: "Abraham Humberg, der 1870/71 Kriegsteilnehmer gewesen war, starb etwa 1930. Mein Vater zog dem Leichenzug an der Spitze vieler Menschen, auch Nichtjuden, von Bocholt aus  entgegen. Darunter waren auch viele ehemalige Weltkriegsteilnehmer aus den Kriegervereinen Bocholt und Dingden." In den 1930er Jahren übernahm der Viehhändler Leopold Humberg bis zu dessen Verbot nach 1935 den Vorsitz des Hilfsvereins zur Unterstützung Bedürftiger Esras kfufim. Die älteren Dingdener schildern Humbergs als gute Nachbarn, "die immer sehr  hilfsbereit waren. Wenn arme Dingdener zu Rosa Humberg kamen, schickte sie diese nie weg, ohne ihnen etwas zu geben." Als Rosalie Humberg 1937 stirbt, begleiten mehrere Dingdener Bürger trotz des ausdrücklichen Verbots der örtlichen NSDAP den Sarg auf dem Weg zum jüdischen Friedhof in Bocholt.

Das Haus wird während der Pogromnacht von SA-Leuten verwüstet. Ein Nachbar berichtet: "In der Nacht vom 9./10. November 1938 wurde auch den Humbergs das Geschäft zerstört. Dabei wurden auch der siebenarmige Leuchter, Auszeichnungen und Wandbilder zerstört. Möbel und Teppiche lagen auf der Straße." Und eine andere Nachbarin erinnert sich: "Wir standen auf der Straße und konnten alles beobachten. Die Tür stand offen. Im Flur hatte ein wunderschöner Schrank gestanden. Der war jetzt umgestürzt: Porzellan und  Gläser lagen auf dem Boden. Alles war zertrampelt worden."

Leopold Humberg kann danach die Metzgerei nicht mehr öffnen, da Juden das  Führen von Geschäften verboten war. Er blieb tagsüber im Haus, manchmal versteckte er sich im Haus oder bei Freunden in Dingden. Er konnte oder wollte sein Heimatdorf nicht verlassen.

Von den sieben erwachsenen Kindern der Familie Humberg können drei emigrieren - vier werden in der Shoah umgebracht.

Siegmund Humberg mit seiner Frau Selma sowie Frieda Humberg und ihr Mann Adolf Terhoch fliehen mit ihren Söhnen Kurt und Rudi rechtzeitig nach Kanada. Ernst Humberg mit seiner zweiten Frau Hilde und der einjährigen Tochter Ruth folgen ihnen im Sommer 1939.

Johanna Humberg wird in Riga umgebracht, ebenfalls Helene Humberg und ihr Mann Abraham Frank. Ihr Sohn Siegfried wird auf dem Weg nach Buchenwald erschossen. Die Tochter Edith überlebt in England.

Wilhelm Humberg wird 1944 in Polen ermordert. Seine Frau Rosette Menko stirbt auf dem Weg vom Lager Westbrock nach Auschwitz. Ihre drei Kinder Margot, Vera und Jakob werden zwei Tage nach dem Tod ihrer Mutter in Auschwitz vergast.

Leopold Humberg wird 1941 aufgefordert, sein Haus in Dingden zu verlassen und zu seiner Schwester nach Ramsdorf zu ziehen. Von dort aus wird er am 27. Juli 1942 in das Ghetto Theresienstadt deportiert, wo er am 11. November 1942 umkommt. Dieser unrühmliche und beschämende Schlusspunkt der Geschichte  der Juden in Dingden wird in der Meldung des Borken-Bocholter Soldatenbriefes – Ausgabe Dezember 1941 – deutlich: "Es wird Euch übrigens interessieren, daß die Gemeinde Dingden seit Juli d. J. judenfrei ist."

Louis Plaat, ein Sohn Phillip Plaats, zieht vor 1938 aus Dingden nach Bocholt. Später flieht er in die Niederlande. Von dort nach Sobibor deportiert, wird er in diesem Vernichtungslager in Polen am 9. April 1943 ermordet.